A New Plastic Economy

… oder wie man den Weg in die Kreislaufwirtschaft ebnet

Am Anfang schon ans Ende denken? Macht man ungern, aber wenn es um Verpackungsdesign geht, lohnt sich ein vorausschauender Blick – insbesondere beim Thema Kunststoffverpackung und Recycling. Ganz im Sinne der Circular Economy gilt für Gestalter hier das Prinzip „Design for Recycling“, was so viel bedeutet, dass man bereits bei der Herstellung einer Packung den Weg in die Kreislaufwirtschaft ebnet. Doch worauf ist zu achten? Was macht eine gut recyclebare Kunststoffverpackung eigentlich aus? Wir werfen einen Blick auf die wichtigsten Punkte und erklären, wie die Vision der Circular Economy, fruchten kann:

Kunststoffverpackungen genießen immer noch einen schlechten Ruf, dennoch sind sie bei bestimmten Produkten eine Notwendigkeit. Damit die Vision einer Kreislaufwirtschaft für Kunststoff in die Realität umgesetzt werden kann, sollte Kunststoff niemals zu Abfall werden. Die Ellen MacArthur Foundation, die sich mit dem Thema ausgiebig beschäftigt, beschreibt dies als die Initiative der New Plastic Economy. Die Vision hat sich sechs Ziele gesteckt:

Eliminieren und innovieren

Unnötige und problematische Kunststoffverpackungen vermeiden, indem man Innovationen eine Chance gibt, neue Designs entwickelt und andere Liefermodelle konzipiert.

Weg von Single-Use Verpackungen

Es gilt Modelle zu entwickeln, der den Bedarf an Einwegverpackungen reduziert.

Die Entwicklung von besserem Kunststoff 

Der Einsatz von Kunststoff ist zukünftig vollständig vom Verbrauch endlicher Ressourcen entkoppelt und alle Kunststoffverpackungen sind frei von gefährlichen Chemikalien. Die Gesundheit, Sicherheit und Rechte aller beteiligten Personen werden respektiert.

Wiederverwendung ermöglichen und praktizieren

Im Idealfall sind alle Kunststoffverpackungen zu 100 % wiederverwendbar, recycelbar oder kompostierbar und zwar so, dass auch in der Praxis umgesetzt wird. Hier ist insbesondere darauf zu achten, was die jeweiligen Abfallverwertungsanlagen leisten können. In der Praxis gibt es in Deutschland, wie in den meisten anderen Ländern, noch keine Biokunststoff-Kompostierung auf industrieller Ebene. Des Weiteren unterscheiden sich die Schmelzpunkte von unterschiedlichen Kunststoffen enorm. PET schmilzt bei 240 Grad Celsius, Polyethylen bei etwa 100 Grad Celsius. Folglich, ist das Recycling von PET für Lebensmittel- und Getränkeanwendungen einfacher, da die höhere Temperatur jegliche Verunreinigung abtötet. Bei Polyethylen wäre aktuell nur ein Downcycling zu beispielsweise einer Mülltüte möglich.

So weit die Theorie, doch was heißt dies nun für die Produzenten- und Gestaltungsbranche? Wie kann man Recyclingprozesse als Designer konkret unterstützen? Auf diese Gestaltungsprinzipien kommt es an:

Prinzip 1 // Helle (transparente und klare) Kunststoffe verwenden.

Viele Sortiermaschinen haben Infrarotsysteme, die nur hellen (transparentestes klares oder transparent hellblaues) Kunststoff erkennen können, farbiges, und schwarzes Kunststoff wird dann schlichtweg in den Restmüll aussortiert, wo es dann in die Verbrennungsanlage rutscht. Damit also viel verwertet werden kann, wenn möglich, einen hellen Kunststoff wählen. Klares, unpigmentiertes PET ist am einfachsten und kostengünstigsten zu recyceln. Weiße und farbige (nicht-transparente) Flaschen können Pigmente enthalten, die beim Recycling Verunreinigungen verursachen und führen zu einer Farbgebung, die im Lebensmittel- und Kosmetikbereich nicht erwünscht ist.

Prinzip 2 // Eine gute Kunststoffverpackung lässt sich vollständig entleeren.

Alles andere kostet die Recycler zusätzlich Geld und mehr Aufwand, und das obwohl weniger hochwertiges Rezyklat herausgefiltert werden kann.

Prinzip 3 // Ganz wichtig: Monomaterial statt Materialmix verwenden.

Eine sortenreine Trennung ist die Voraussetzung dafür, dass Kunststoffverpackungen recycelt werden können. Auf die Kombination verschiedener Materialien oder Verbunde sollte daher unbedingt verzichtet werden. Ebenso können Barriereschichten das Recycling einer Verpackung verhindern. Idealerweise wird ein einziger Typ eines leicht recycelbaren Polymers verwendet (PE-HD, PE-LD, PP oder PET). Zugegeben, insbesondere bei Lebensmittelverpackungen ist dies eine echte Challenge. Da sie eine Vielzahl von Funktionen erfüllen müssen, um für die Haltbarkeit der Produkte zu sorgen, sind oftmals viele dünne Schichten unterschiedlichster Materialien und Kunststoffe notwendig. Diese lassen sich nur unter Einsatz hochmoderner Techniken und Kosten trennen. Und somit kommen wir zum nächsten Punkt.

Prinzip 4 // Komponenten sollten ohne großen Aufwand trennbar oder abzulösen sein.

Müssen doch mehrere Materialien eingesetzt werden, so sollten alle Komponenten leicht voneinander zu trennen sein. Verschlüsse, Etiketten oder Sleeves sollten sich leicht ablösen und beim Einsatz von Leimen sollte auf die Ablösbarkeit (z.B. Wasserlöslichkeit) geachtet werden. Damit eine Trennung der Komponenten gut gelingen kann, ist eine transparente Kommunikation mit den Nutzern nötig. Eine verständliche Anleitung zur Müllentsorgung ist Gold wert.

Fazit:

Es gibt viele Stellschrauben zu drehen, um den Weg in eine Kreislaufwirtschaft mit erhöhten Recyclingquoten zu optimieren. Vor allem spielen zwei Dinge eine wichtige Rolle: Zum einen ist der Auf- und Ausbau einer funktionalen Recycling-Infrastruktur notwendig, mit moderner Abfallerfassung, sowie einer guten Sortierfähigkeit. Zum anderen lässt sich mit cleveren Design Lösungen bereits länderübergreifend einen großen Beitrag in die richtige Richtung leisten oder anders gesagt ist der Fokus auf „Design for Recycling“ noch wichtiger, wenn ausgereifte Systeme noch fehlen. Gutes Design hat die Möglichkeit die Welt zu verändern.

Ihr benötigt eine kompakte Design for Recycling Übersicht? Hier geht’s zur Guideline.


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